Archiv Historische Dachziegel

Historische Dachziegelbezeichnungen

Auszüge aus W. Bender/M. Schrader: "Dachziegel als historisches Baumaterial" sind kursiv geschrieben. Die anderen Begriffe sind aus den historischen Dachziegel-Katalogen entnommen.

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Altdeutscher Falzziegel
Als solcher wird ein einteiliger Mönch-Nonnenziegel (auch Klosterziegel) benannt.
Siehe Ludowici Katalog 1914, Seite 36, Seite 80 Seite 39 (niedrige Form)
Biberschwanzziegel
Ebene Tonplatte mit Aufhängenase, deren unteres Ende, der Fuß, sehr verschieden geformt sein kann. Die historischen Abmessungen varieren stark, die Maße der größten mittelalterlichen Biber gingen bis 34 x 54 cm. Die heute gängigen Formate sind das süddeutsche Format (18 x 38), das norddeutsche und sächsische Format (15,5 x 36) und das Berliner Format (15,5 x 38).
Bouletziegel
Aus Frankreich und Holland kommendes Ziegelmodell, im Prinzip ein Falzziegel mit einfachem Seitenfalz und einer markanten mittigen Rundung (Kugel) im Fußbereich des Ziegels. Verlegung des Bouletziegels generell im Verband. Die Rundung im Fußbereich ist der Abschluß des jeweiligen Wulstes des darunter liegenden Ziegels. Bedarf ca. 20 St./qm.
Dachplatten
Bezeichnung für Biberschwanzziegel.
Dachziegel
Flächiger, schuppenförmiger Baustoff zum Decken von Dächern, der aus Lehm oder Ton geformt und gebrannt wird. Nach der Art der Herstellung werden Dachziegel in Handstrichziegel, Pressdachziegel und Strangdachziegel unterteilt
Doppelmuldenfalzziegel
Eines der ältesten Pressdachziegelmodelle mit Kopf- und Seitenfalzen, 1881 von Ludowici auf der Basis des Herzziegels als Z1 entwickelt und später vielfach nachgeahmt.
Eisenberger Spar-Biber
Ein sehr ausgefallenes Modell für einen Biber. Das Ziel war Gewicht zu sparen. Das Modell hat sich jedoch am Markt nicht durchgesetzt.

Elsässer Falzziegel
Von Gilardoni hergestellter Falzziegel im Wasserlauf ohne Mittelsteg, mit einfacher Kopfverfalzung.
Der Ziegel wurde mit Einfachfalz (Katalog Gilardoni 1894, Taf. 4) und mit Doppelfalz (ebenda Taf. 5) hergestellt. Siehe auch Katalog Kettenhofen Seite 04, Nr. 87 (1-Falz) und Nr. 166 (2-Falz)
Engobieren
Art der Oberflächenbehandlung, bei der eine Tonschlämme aufgebracht wird, um eine spezielle Brennfarbe zu erzielen.
Falzbiber
Mit Kopf- und Seitenfalz versehener Pressdachziegel, der die Optik des Biberschwanzziegels mit der Technik des Falzziegels verbindet.
Fechtel
Sehr schöne handwerkliche Gratausführung mit Hohlpfannen. Zwei Hohlpfannen werden dreiecksförmig zugeschnitten und bilden das Fußgebinde in der ersten Reihe. Der erste Gratziegel beginnt erst am Zusammenschluss der zweiten Ziegelreihe.
Feierabendziegel
Mit Inschriften, Zeichnungen und Symbolen verzierte Dachziegel, die ab 1453 nachweisbar sind.
Fittichziegel
Längere und schmalere Variante der Hohlpfanne, die heute noch als Fränkischer Rinnenziegel oder Fränkischer Hohlziegel hergestellt wird
Flachdachpfanne
Erster Dachziegel mit Ringverfalzung, der 1930 auf den Markt kam und das regensichere Eindeckung von Dächern bis zu einer Sparrenneigung von 20° bis 15° ermöglicht. Flachdachziegel Z 15 a von Ludowici.
Flachkremper
Erstes Dachziegelmodell mit spiralförmiger Verfalzung um den ganzen Dachziegel, der auch bei geringsten Dachneigungen bis zu 10° einsetzbar ist und 1954 als K 21 von Ludowici (München) auf den Markt gebracht wurde. Der K 21 wurde von einer Reihe von Dachziegelwerken hergestellt.
Zur Zeit ist er noch im Sortiment einer Ziegelei.
Flachwerker
eine spezielle Bezeichnung für Biberschwanzziegel aus dem Bereich Schlesien.
Fränkischer Hohlziegel
siehe Fittichziegel
Fränkischer Rinnenziegel
siehe Fittichziegel
Fronton
Bezeichnung für Giebelabschluß mit Windbordziegeln und einer Rosette;
Katalog van Ackeren, Seite 5.
gedämpfte Dachziegel
siehe Reduktionsbrand
Glasur
Glasartiger farbloser oder farbiger Überzug der Ziegeloberfläche zur Abdichtung und Veredelung, der durch den Brand gut mit dem keramischen Scherben verbunden ist.
Glocke
Einteiliges Abschlussstück aus Ton für einen Walmpunkt oder eine Turmspitze. Oft wurde die Glocke so ausgebildet, dass der obere Teil als Teller für die Aufnahme einer Ton-Spitze ausgebildet war.
Handstrichziegel
Manuell geformter Dachziegel, der in Formen aus Holz oder Metall gestrichen (Biber) oder aus vorgefertigten Tonblättern über Formhölzern geformt (Hohlpfanne) wird.
Herzziegel
Der Urahn aller Falz- und Pressdachziegel, der 1841 von Gilardoni entwickelt wurde und eine einfache Kopf- und Seitenverfalzung besaß.
Hohlpfanne
Zweifach gebogene Tonplatte - auch Pfannenziegel, S-Pfanne oder Holländische Pfanne genannt - die im Querschnitt einem liegenden S ähnelt, mit einer breiten Mulde zum Wasserablauf und einer Krempe zum Überdecken. Je nach Kappung an der rechten oberen und linken unteren Ecke spricht man von Kurzschnittpfanne, die in Aufschnittdeckung und von Langschnittpfanne, die in Vorschnittdeckung verlegt wird
Hohlziegel
Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Dachziegeln mit starker Wölbung, die in ihrer einfachsten Form halbierte Hohlzylinder sind. Im engeren Sinne sind dies die Mönch-Nonnenziegel und die First- und Walmziegel, im weiteren Sinne auch die Hohlpfannen
Hohlziegel-Dreipfannen-Kehle
Eine Ausführung der Kehle, wie sie überwiegend in Schleswig-Holstein und im "Alten Land" (zwischen HH und Stade) verbreitet war. Es ist eine sehr schöne handwerkliche Kehl-Lösung.
Hohlstrangfalzziegel
Strangfalzziegel, die in der Längsrichtung durchgehende Hohlkanäle aufweisen.
Holländische Pfanne
Ursprüngliche wurde als Holländische Pfanne nur die unverfalzte Hohlpfanne bezeichnet. Diese wurde 1460 in Holland erfunden, indem die beiden Schalen des Mönch-Nonnen-Ziegels zusammengefügt wurden. Danach wurde jedoch auch eine verfalzte Hohlpfanne so benannt und ist somit die Vorgängerin des Hohlfalzziegels. Hennigsdorf 1903, Seite 6
Kamelhöckerfirst
Ein großer First mit einer Decklänge von ca. 50 cm. Der Ludowici-First W 1, dargestellt u.a. im Katalog 1914, Seite 87, entspricht dieser Firstform.
Kleeblattfirst
Weit verbreitete historische Firstform. Die Rundung des Firstes ist aus drei, nahezu gleichen Bögen zusammengesetzt. Der First ist zylindrisch. Der Übergang zum benachbarten First erfolgt mit einer angeformten Muffe.
Klosterziegel
Andere Bezeichnung für die Mönch-Nonnenziegel, aber auch Sammelbezeichnung für die durch die Kombination von Mönch und Nonne entwickelten einteiligen Pressfalzziegel, deren Deckbild dem Mönch- Nonnendach gleicht.
Knickfalzziegel
Ein Sonder-Falzziegel im Sortiment der Dampfziegelei Hennigsdorf, Aug. Burg, Katalog 1903, Seite 7. Dieser Ziegel ergibt in etwa das Deckbild einer Biber-Doppeldeckung.
Krempziegel
Sehr altes Dachziegelmodell, eine Kombination des Flachziegels "tegula" und des Hohlziegels "imbrex". Die Grundform ist eine Platte, die rechts einen erhöhten Rand und links eine meist konisch verlaufende Krempe besitzt.
Leistenziegel
Zweiteiliger antiker Dachziegel, bestehend aus dem Flachziegel "tegula" mit Aufkantungen an den Längsseiten, den Leisten, und dem Hohlziegel "imbrex". Die Stoßfugen zwischen den Leistenziegeln werden durch den Hohlziegel abgedeckt.
Marseiller Falzziegel
Ein Falzziegel ähnlich der Form von Ludowici´s Z 1. Der Mittelsteg ist relativ schmal. Die Krempe ist mit 2 Längsrillen und 5 - 6 schräg laufenden Querrillen versehen. Im Katalog von Kettenhofen wird dieser Ziegel auf Seite 04 rechtsdeckend (Nr. 41) und linksdeckend (Nr. 156) dargestellt.
Maschinenziegel
Dachziegel, bei dem der Formgebungsprozeß maschinell abläuft. Man unterscheidet Strangdachziegel und Pressdachziegel.
Meschede (System M.)
Dachdeckermeister Meschede aus Pforzheim entwickelte zwichen 1900 und 1910 vollkeramische Anschlüsse mit Biberschwanzziegeln. So z.B. spezielle Kehlziegel, Seitenanschlußbiber. Diese Modelle wurden u. a. angeboten und vertrieben von:
Vetter, Mühlacker, Ludwigsburger Ziegelwerke.
Mönch-Nonnenziegel
Zwei Halbschalen, die abwechselnd konkav und konvex verlegt werden und für die es sehr viele Namen und Varianten in ihrer Entwicklung gibt.
Nürnberger Grat
Gratausführung beim Mönch-Nonnendach, wobei die Nonne am Grat eine Rinne bildet und rechts und links jeweils von einem Mönch abgedeckt wird. Siehe Ludowici Katalog 1914, Seite 37. Des weiteren bei Ziegel Sonstige Informationen.
Pressdachziegel
Mit Stempelpressen, meist Revolverpressen, zwischen einer Ober- und einer Unterform ausgepresste Dachziegel.
Priebendeckung
Spezielle Deckart mit Nonnenziegeln oder auch mit dem fränkischen Rinnenziegel. Dabei werden die Längsfugen zwischen den Nonnen nicht mit Mönchen überdeckt, sondern die Kalk/Mörtelfuge bleibt offen sichtbar. Es entsteht ein ganz eigenes Deckbild. Diese Deckungsart sieht man unter anderem in der Region Ostharz (Quedlinburg).
Reduktionsbrand
Spezielle Brenntechnik zur Erzielung dunkler Brennfarben. Beim Brennen wird die Sauerstoffzufuhr stark reduziert. Dadurch erfolgt eine Umwandlung des im Ton vorhandenen Eisenoxids in Eisenoxidul.
Man spricht von "Dämpfen", auch Blaudämpfen, Blauschmauchen, Silberdämpfen, Graudämpfen, Schwarzdämpfen und Schwarzbrand. Die Farbe wird durch Zugabe von Öl, Teer, harzigem Holz und/oder frischer Zweige beeinflußt.
Reitfalzziegel
ein Falzziegel in Form einer auf der Spitze stehender Raute.
Rheinlandziegel
Falzziegelmodell, ähnlich dem Doppelmuldenfalzziegel, jedoch ohne Mittelsteg. Dieses Ziegelmodell wurde bevorzugt von den Ziegeleien am Niederrhein produziert, wodurch sich die Bezeichnung Rheinlandziegel einbürgerte.
Ritterdach
Historische Bezeichnung für ein Biberschwanzdach in Kronendeckung.
Sargdeckelfirst
Der Sargdeckelfirst hat im Querschnitte eine eckige, trapezförmige Ausformung, die an einen Sargdeckel erinnert. Er wird überwiegend im Firstbereich eingestzt. Sehr selten am Grat.
Sattelfalzziegel
ein Falzziegel, ähnlich dem Reitfalzziegel (auf der Spitze stehende Raute), jedoch kleiner in seinen Abmessungen.
Schalenziegel
Die Ziegel sind vergleichbar den Mönch-Nonnenziegeln. Bei Ludowici 1914, Seite 51 und 83, ist dargestellt, wie mit konisch geformten und verschieden breiten (Unter-) Schalen, sowie einem Übersetzer (d), Kegeldächer vollkeramisch eingedeckt werden können.
Schwalbenschwanzbiber
eine spezielle Biberform, wie sie in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Oberlausitz unter anderem von der Fa. Gebr. Weist, Dörgenhausen bei Hoyerswerda hergstellt wurde.

S-Pfanne
siehe Hohlpfanne
Steinbrückziegel
ein Strangfalzziegel-Modell. Siehe Jungmeier Katalog 1958, Seite 6 und Gnad, oJ, Seite 2.
Stiefelknecht-First
Eine spezielle Firstform, die besonders im Berliner Raum gebräuchlich ist und auch als Berliner Biberfirst bezeichnet wird. Der First ist konisch und hat statt einer Nase einen markanten Grat, der nahezu über die gesamte sichtbare Länge des Firstes abschwingt. Ähnlich dem First im Katalog Bolze, 1920, Seite 9, Nr. 26. Unter anderem wird dieser First heute als First Nr. 10 im Koramic-Jungmeier-Sortiment angeboten.
Strangdachziegel
Mit Strangpressen, meist Schneckenpressen, im Strang gezogene Dachziegel. Die wichtigsten Strangdachziegel sind Biberschwanzziegel, Hohlpfannen und Strangfalzziegel.
Strangfalzziegel
Strangdachziegel mit seitlicher Verfalzung, die je nach Modell als ebene oder profilierte Tonplatte ausgebildet sein können. Hohlstrangfalzziegel weisen in Längsrichtung durchgehende Hohlkanäle auf.
Verschiebedachziegel
Dachziegel mit veränderlicher Decklänge im Bereich von etwa 30 bis 100 mm, die bei der Altbausanierung eine Anpassung an vorgegebene Lattenabstände und Sparrenlängen ermöglichen.
Villenziegel
Dekorative Dachziegelform des Historismus mit meist gerundeten oder abgeschrägten Fußenden und stark profilierten Oberflächen mit aufgepressten Zierprofilen in Kugel-, Stern- und Kreuzform.
Zwei Formen waren besonders verbreitet. Zum einen der sogenannte "Schuppenziegel", der an der Fußkante mit einem Halbkreis abgerundet war. Verlegung grundsätzlich im Verband. Bedarf ca. 20 St./qm.
Die zweite Ausführung war der sogenannte "Kreuzziegel", in der Form eines länglichen Achtecks. Nach dem oberen Drittel beginnt ein Ziersteg, der sich zum Fuße des Ziegels hin verbreitert und wiederum verziert den eckigen Wulst des darunter liegenden Ziegels aufnimmt. Verlegung im Verband. Bedarf ca. 20 St./qm
Auch der Bouletziegel wird des öfteren als Villenziegel bezeichnet.
Windbordziegel
auch Bordziegel, Seitenziegel und Giebelziegel genannt. Mit diesem Ziegelmodell wurde die Ortgangkante des Daches abgedeckt. Es gab in der Form einfache Ausführungen und auch stark verzierte Modelle.
An der Traufe wurde in der Regel mit einem Anfänger begonnen (Schnecke). Am First wurde mit einem Firstende oder einer Firstrosette abgeschlossen. "Links" und "rechts" war festgelegt als auf den Giebel blickend. Dies steht im Gegensatz zur heutigen Definition, wo der Ortgangziegel mit "links" und "rechts" auf die Dachfläche gesehen festgelegt ist.
Nahezu jede Ziegelei hatte mehr oder weniger Windbordziegel-Modelle im Sortiment.
Siehe z.B. Martini Katalog, Seite T 24, oder Kettenhofen, Seite 12, oder
Möncheberger Gewerkschaft, Cassel, Seite 39, Seite 67, Seite 68, Seite 70.
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