Archiv Historische Dachziegel

Was sind historische Dachziegel?

Das Archiv Historische Dachziegel erschließt im wesentlichen die maschinell gefertigten Dachziegelmodelle aus der Zeit zwischen ca. 1850 und 1930. Diese Zeitspanne ergibt sich aus Folgendem: Mit der Erfindung des Falzziegels im Jahre 1841 entstand eine völlig neue Dachziegelart. Diese Ziegel konnten nicht mehr manuell gefertigt werden, so dass damit die industrielle Dachziegelproduktion begann. Im Jahre 1930 kam die Flachdachpfanne auf den Markt. Sie war eine Antwort auf die Architekturströmungen des Bauhauses Dessau, die einen starken Trend zum flachgeneigten Dach bewirkt hatten. Diese Ziegelart besaß ein neues Verfalzungssystem, die so genannte Rundumverfalzung, die erstmals Sparrenneigungen unter 20° zuließ. Damit markiert die Flachdachpfanne den Beginn des heutigen modernen Dachziegels, so dass alle Dachziegelmodelle vor 1930 als historisch gewertet werden. In der Denkmalpflege ist der Denkmalbegriff demgegenüber noch erweitert und die Zeitgrenze für die Unterschutzstellung eines Bauwerks ist heute bis etwa 1965 vorgerückt.

Die historischen Dachziegelarten

Die vier klassischen historischen Dachziegelmodelle sind:

  • Mönch-Nonne-Ziegel
  • Krempziegel
  • Hohlpfanne und
  • Biberschwanzziegel,

wobei sich im Laufe der Zeit jeweils zahlreiche Varianten herausbildeten. Die ersten drei Modelle lassen sich entwicklungsgeschichtlich auf den römischen Leistenziegel zurückführen. Der Biberschwanzziegel ist von der Holzschindel abgeleitet. Als eine völlig neue Dachziegelart kam Mitte des 19. Jahrhunderts der Falzziegel hinzu. Als sich dieser eingeführt hatte und die Vorteile der Verfalzung in der Praxis offensichtlich waren, begann man schon vor 1900 alle alten Dachziegelmodelle unter Wahrung des äußeren Erscheinungsbildes zu verfalzen. Die dabei entwickelten neuen Dachziegelmodelle sind heute, nach über 100 Jahren, auch schon wieder historisch interessante Dachziegelklassiker.

Die Gesamtzahl der verschiedenen Dachziegelmodelle die es im 19. Jahrhundert bis 1930 gegeben hat, kann nur grob geschätzt werden. Im Verlauf der letzten 100 Jahre sind über 98% der einst existierenden Dachziegeleien verschwunden und mit ihnen auch eine große Anzahl firmenspezifischer Dachziegelmodelle. Viele Preßdachziegelmodelle wurden allerdings nicht von den Ziegelwerken selbst, sondern von den Herstellern der Dachziegelpressen entwickelt, die dann auch die Mutterformen und Arbeitsformen mitlieferten. Bei einer vorsichtigen Hochrechnung kommt man auf eine Gesamtzahl von etwa 5000 verschiedenen Dachziegel- modellen, die in den letzten 150 Jahren entwickelt wurden. Nicht alle diese Modelle haben sich auf dem Markt durchgesetzt und wurden in nennenswerter Stückzahl gefertigt. Auch stellen die meisten dieser Modelle nur Varianten einer bestimmten Grundform dar. So ermöglicht z.B. beim Herzziegel allein die Form der Raute eine schier unerschöpfliche Anzahl von Varianten. Beim Muldenfalzziegel gilt das Gleiche für die Gestaltung seiner Profilierung. Ähnliches gilt für alle Dachziegelmodelle. Bei den Hohlpfannen ergibt sich die Modellvielfalt durch den unterschiedlichen Grad der Krümmung und den unterschiedlichen Breiten und Höhen, bzw. Tiefen von Mulde und Krempe. Hinzu kommen die unterschiedlichen Abmessungen und konstruktive Details bei Verfalzung und Aufhängenase.

Autor: Willi Bender, Mühlacker

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