Fragen zu historischen Dachziegeln

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Frage: Gibt es sachliche Gründe, dass die meisten deutschen Falz-Dachziegel die Verfalzung auf der linken Seite haben und von rechts nach links gedeckt werden, also sogenannte Rechtsdecker sind?

  • Bisherige Argumente:
    • Die meisten Dachdecker sind Rechtshänder und damit ist die Arbeit ökonomischer durchzuführen.
    • Die meisten Arbeiter bei der Dachziegelherstellung waren Rechtshänder und haben deshalb den Falz am Ziegel so angebracht, dass von rechts nach links gedeckt werden kann.
    • Gilardoni hat bei seinem Herzziegel (1841) und Ludowici bei seinem Z 1 (1881) den Falz links angeordnet und damit wurde bei den Falzziegeln dieser Trend zum Rechtsdecker vorgegeben.
    • Früher gab es manche Ziegelmodelle als Rechts- und Linksdecker, um bei der Dachdeckung die Ziegel so verlegen zu können, dass die beste Sturmsicherheit gegeben war. Bei der manuellen Ziegelherstellung war dies einfach möglich. Bei der maschinellen Herstellung mußte man sich für eine Deckrichtung entscheiden, weil zwei Formensätze zu aufwendig gewesen wären. Durch die höhere Formgenauigkeit war auch die Sturmsicherheit besser. Zudem kamen Klammern als Sturmsicherung zum Einsatz.
    • Willi Bender hat diese Frage nicht ruhen lassen. Er führt hierzu aus: "Ich glaube jetzt eine plausible Erklärung dafür gefunden zu haben, weshalb die Rechtsdeckung die Normal- oder Standarddeckung ist. Es hat doch etwas mit der Rechtshändigkeit des Menschen zu tun und damit, dass die alten Dachziegelmodelle - Mönch-Nonne, Hohlpfanne, Biberschwanz - oft mit Quer- und Längsschlag vermörtelt verlegt wurden und der Dachdecker dabei die Kelle in der rechten Hand hielt. Darauf kam ich durch Matthaeij: "Der vollkommene Dachdecker" von 1833, wo es u.a. heißt: "Die Deckung geschieht jederzeit am besten von der rechten zur linken Seite...." Betrachten wir einmal die Verlegung von Biberschwänzen mit Längsschlag bei der böhmischen Deckung. Der Dachdecker hält den Biber in der linken Hand, Kopf oben, und in der rechten Hand die Kelle. Damit erfolgt auf der rechten Längsseite des Bibers der Mörtelauftrag (Längsschlag). Mit der linken Hand wird der Biber dann gegen die linke unvermörtelte Seite eines bereits verlegten Bibers gedrückt und so erfolgt die Eindeckung von rechts nach links. Auf dieser Art die Eindeckung von links nach rechts vorzunehmen wäre tatsächlich äußerst umständlich. Ähnliches dürfte auch für die Hohlpfanne und die Mönch-Nonne gelten. Nachdem sich auf diese Weise die Rechtsdeckung als die zweckmäßigere eingebürgert hatte, lag es nahe diese bei der Einführung der Preßdachziegel auch beizubehalten, obwohl die Deckrichtung hier keine Rolle gespielt hätte."